Vogalonga: Rudern in und um Venedig

Am Sonntag, den 20. Mai 2018 fand wieder die Vogalonga, eine Regatta für muskelbetriebene Boote, in Venedig statt. Am Tag der Vogalonga dürfen zeitweise keine motorbetriebenen Boote auf der Regattastrecke fahren. Die Vogalonga ist als Protest gegen die vielen Motorboote, die die Fundamente der Gebäude in Venedig beschädigen, gedacht. Sie  fand in diesem Jahr bereits zum 44. Mal statt. Die Strecke beträgt 30 Kilometer und beginnt und endet am Markusplatz. In diesem Jahr wurde die Zahl der teilnehmenden Boote auf 2.000 begrenzt. Obwohl die Vogalonga offiziell eine Regatta ist, gibt es hier kein schnellstes Boot und keinen Sieger.

Die Rudergesellschaft Niederkassel von 1978 e.V. (RGN) nahm bereits zum vierten Mal an der Vogalonga teil, diesmal mit vier Booten und 20 Ruderern. Unser Standquartier von Freitag, 18. Mai bis zum Montag, 21. Mai war auf dem Campingplatz bei Fusina auf dem Festland.

Bereits am späten Donnerstagnachmittag (17.05.) machten sich drei Fahrer mit dem Hänger, der mit vier Booten beladen war, auf den Weg Richtung Venedig. Mit einigen Pausen und Fahrerwechseln erreichten sie „Camping Fusina“ unseren Standort auf dem Festland vor Venedig, am frühen Morgen. Schon am Vortag waren vier Ruderer nach Venedig geflogen, andere kamen im Laufe des Freitags mit dem Flugzeug oder dem PKW in Fusina an. Gleich nach der Ankunft des Hängers wurden die Boote abgeladen, aufgeriggert und auf der Wiese in der Nähe der Einstiegstelle abgelegt.

 

Die Fahrer gönnten sich nur eine kurze Pause, dann ruderten zwei Boote zum Fischmarkt am Canal Grande in Venedig, um die Unterlagen für die Vogalonga abzuholen. Zunächst mussten wir von unserem Campingplatz aus, der direkt neben der Brenta-Mündung liegt, entlang der Fahrrinne für die Vaporettos Richtung Venedig rudern. Am westlichen Ende ging es in einen stark befahrenen Kanal parallel zum Kreuzfahrthafen, der etwa am Bahnhof in den Canal Grande mündet. Die Steuerleute waren hier stark gefordert, da ununterbrochen Vaporettos, Wassertaxis, Lastkähne, Müllschiffe und Gondeln unseren Weg kreuzten. Am Fischmarkt angekommen, mussten wir in den Booten lange warten, da sich außer uns noch viele andere Bootsbesatzungen anmelden wollten. Nachdem endlich die Meldung erfolgt war, ruderten wir weiter durch den Canal Grande Richtung Markusplatz. Wegen des starken Verkehrs von Motorbooten hatten wir allerdings keine Muße, um die Paläste zu bewundern. Am Ende des Canale Grande kreuzten wir auf schnellstem Weg den Canale della Giudecca und ruderten auf der Rückseite von Giudecca und der Müllumladeinsel zurück nach Fusina. Von unserer ersten Teilnahme an der Vogalonga wussten wir, dass das Befahren des Canal della Giudecca wegen des dichten Schiffsverkehrs, unter anderem mit großen Fähren und Kreuzfahrtschiffen, nicht nur sehr unangenehm, sondern auch gefährlich ist auch gefährlich ist.

 

Eines der Boote befuhr noch die Brenta hinauf bis Malcontenta. Die Brenta ist ein idyllischer kleiner Fluss, der direkt neben dem Campingplatz in die Lagune von Venedig mündet. Das andere der beiden Boote stattete noch unserer Lieblingsbar auf der Insel Sacca Fisola neben Giudecca einen Besuch ab. In dieser Bar hatten wir Unterschlupf gefunden, als wir bei unserer ersten Venedigtour 2011 am Vortag der Vogalonga in ein heftiges Unwetter gerieten. Dort gabt es Wein aus dem Zapfhahn für 50 ct pro Glas und einer der anwesenden Italiener hatte erfolgreich mit Petrus telefoniert, damit das Wetter am folgenden Tag mit der Vogalonga besser wird. Bei allen unseren Venedigaufenthalten wird diese Bar von uns besucht.

Am Abend waren alle 20 Teilnehmer aus den verschiedensten Richtungen und mit unterschiedlichen Transportmitteln auf dem Campingplatz angekommen. Im Außenbereich des Restaurants gab es einen langen für uns reservierten Tisch, an dem wir an jedem Abend speisen und lange sitzen konnten.

 

Am Samstag ruderten wir nach einem typisch italienischen Frühstück vom Campingplatz aus zum Lido von Venedig, vorbei an der Rückseite der Venedig vorgelagerten Insel Giudecca und dann entlang der durch Dalben gekennzeichneten Schifffahrtswege. Außerhalb dieser Wege läuft man Gefahr, im Schlick steckenzubleiben oder sich in Fischernetzen zu verheddern. Beim Ruderverein Diadora auf dem Lido konnten wir am Steg anlegen und die Boote auf einer Wiese ablegen. Ein kurzer Weg führte uns quer über die Insel zur Meerseite. Der Strand dort wurde noch für die kommende Saison vorbereitet, in einem Restaurant mit Meerblick konnten wir eine angenehme Mittagspause verbringen.

 

Am Sonntag war es dann soweit, die 44. Vogalonga startete um 9.00 Uhr vor dem Markusplatz in Venedig. Da die Einlassstelle für Boote auf unserem Campingplatz nur Platz für maximal zwei Ruderboote bot, aber viele Ruderboote, Kanus und Drachenboote dort ebenfalls starten wollten, legte unser Fahrtenleiter unseren Start auf 6.00 Uhr fest. Wie erwartet waren wir fast allein an der Einsatzstelle. Die Boote wurden noch mit elektrischen Pumpen ausgerüstet, um durch hohe Wellen einschwappendes Wasser schnell abpumpen zu können. Ganz gemächlich ruderten wir die bekannte Strecke entlang der Rückseite von Guidecca Richtung Markusplatz. In der Morgensonne konnten wir gegenüber des Markusplatzes warten, bis der Verkehr der Motorboote gestoppt wurde. Langsam wurde es immer voller und es gab genug Zeit, die anderen Boote zu betrachten. Besonders gefielen uns die italienischen Ruderboote, die im Stehen gerudert werden.

 

Um 9.00 wurde mit einem Kanonenschlag vom Markusplatz aus die Vogalonga gestartet. Wir ruderten bei schönstem Sonnenschein und etwa 25°C entlang der Insel Venedig Richtung Osten, vorbei an den Inseln Vignole und San Erasmo, um Burano herum, dann durch den Canale di Mazzorbo (die erste Engstelle) zurück Richtung Murano. Dort durch den Canale di Murano (die zweite Engstelle), weiter nach Venedig, wo man in den Rio di Canareggio mit der Brücke Tre Archi (die schlimmste Engstelle) einbiegt, weiter durch den Canal Grande unter der Rialto-Brücke hindurch bis zum Markusplatz.

 

Am Ende der Strecke wurden den passierenden Booten ein Beutel mit einer Teilnehmerurkunde und einer Medaille für jeden Ruderer zugeworfen. Gleich darauf musste der Canale della Giudecca überquert werden. Auch für die Ruderer, die voraus gerudert waren und die Engstellen relativ zügig passieren konnten, war der Schiffsverkehr dort aber bereits wieder freigegeben worden. Motorboote flitzten hin und her, große Fähren und Lastkähnen, Vaporettos, dazwischen die muskelbetriebenen Boote der Vogalongateilnehmer, die sich durch die Wellen kämpften. Selbst für uns als Rheinruderer ist dies immer eine ganz besondere Herausforderung.

Die Boote, die im Hauptfeld ruderten, benötigten viel Zeit zum Passieren der Engstellen. Besonders die Brücke Tre Archi, die nur durch jeweils ein Ruderboot durchfahren werden kann, führte zu lange Staus. An der Brücke selbst sorgten Froschmänner mit Schwimmflossen und Helmen dafür, dass die Boote ihre Richtung beibehalten, da es dort durch Querströmungen aufgrund der Gezeiten immer wieder zu ungewollten Richtungsänderungen kommt. Bereits die Einfahrt in den Rio di Cannareggio wurde durch Polizeiboote abgesperrt, es wurden jeweils nur eine geringe Anzahl von Booten hineingelassen, die dann geordnet die schmale Brücke passieren sollten. Aber auch mit diesen Maßnahmen kam es zu langen Staus und ungeduldigen Teilnehmern, wie zwei Boote der RGN wieder miterlebten.

 

Die „schnellen“ Boote waren nach ca. 7 Stunden, die anderen beiden etwa 2 Stunden später wieder am Campingplatz. Die abendliche Pizza schmeckte besonders gut und es wurde viel über die Erlebnisse, die die Ruderer in den verschiedenen Booten hatten, berichtet.

Am Pfingstmontag sollten gegen Mittag die Boote wieder verladen werden. Als letzte Ausfahrt in Venedig wählten wir die Fahrrinne der Schiffe für den Hafen Fusina. Die riesigen Frachter, die wir häufig direkt neben dem Campingplatz herfahren gesehen hatten, kamen uns nun entgegen. Die Fahrrinne ist aber breit genug, um als Ruderboot nebenher zu fahren.

Vor dem Beladen des Hängers mussten die Boote abgeriggert und gründlich mit Süßwasser gereinigt werden, da das Salzwasser die Metallteile der Boote angreift. Wieder hatten sich drei Fahrer bereit erklärt, die Boote zurück nach Mondorf zu fahren und dort auch noch abzuladen.

Vielen Dank an den Fahrtenleiter, die Hängerfahrer und an alle Mitruderer für die tolle erlebnisreiche Wanderfahrt!

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